18.07.10: Dieser Tage wurden in Kempten 21 Stolpersteine verlegt, überwiegend zur Erinnerung an ehemalige jüdische Mitbürger, deren Abtransport in den Tod kaum jemand berührte. Es waren ein Bankier, Viehhändler und andere Handelsunternehmer, die sich durchaus für das Wohl der Stadt (z.B. als Mitglied des Stadtrats) einsetzten. Es wurde auch einer Frau gedacht, die wegen Depressionen in die Nervenanstalt Kaufbeuren gebracht wurde und anschließend in Grafeneck ermordet wurde. Auch die im Zusammenhang mit dem 20. Juli 1944 hingerichteten Alfred Kranzfelder und Franz Sperr, beides gebürtige Kemptener – an den Marineoffizier Kranzfelder erinnert ein „Kranzfelderufer“ in Eckernförde – wurden durch Stolpersteine geehrt.
Bislang nicht geehrt wurden Opfer des Arbeiterwiderstands – allzu viele gibt es auch zugegebenermaßen in Kempten nicht. Aufarbeitenswert wäre z.B. die Geschichte von Willy Wirthgen, der nach Januar 1933 illegal die KPD-Zeitung „Kemptner Mosaik“ auf einer Berghütte weiter produzierte, dann aber durch einen Spitzel aufflog und ein zu ein paar Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Später wurde er dennoch zur Wehrmacht eingezogen, während eines Heimaturlaubs gegen Kriegsende entfielen ihm „defäitistische Äußerungen“ im Treppenhaus, die seine Vermieterin „weitermeldete“. Er wurde vom Volksgerichtshof zum Tode durch Enthaupten verurteilt, was auch vollzogen wurde.
(Quellen hierzu u.a.: Geschichte der Stadt Kempten (Autorenkollektiv), Verlag Tobias Dannheimer, Kempten, 100,00 EUR, darin zwei Beiträge von Herbert Müller über die Entwicklung der Parteien 1918-1956 in Kempten, wo auch auf Willy Wirthgen und Adolf Schmidt – Vorsitzender des Arbeiter-und Soldatenrats Kempten, KPD Vorsitzender 1928-1933, 1945 von der amerikanischen Besatzungsmacht als Landrat eingesetzt, Bezirkstagsabgeordneter),eingegangen wird.
txt: Kurt Wirth
foto: PFriedmann

















